23. November 2019

Schreiben von Herrn U. J. 

Sehr geehrte Frau Schmidt,

ich wollte auf diesem Weg Ihnen gerne mitteilen, dass ich Ihren überraschenden Besuch als sehr positiv empfunden habe. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie da so einiges (negatives) zu hören kriegen. Also ich finde es toll und auch mutig das Sie bei den Bürgern anklopfen.

Der Amtsinhaber hat sich hier in der ...-Straße keine Freunde gemacht, …

Ich habe mir auch Ihre Internetseite angesehen und habe mir natürlich ihren Lebenslauf und ihre Motivation angesehen. Vielleicht sollten Sie bei Ihrem Lebenslauf irgendwie erläutern was sich von Ihrer Qualifikation davon praktisch für das Bürgermeisterin-Amt nutzen/gebraucht lässt und was Sie da praktisch gemacht haben (z.B. was haben Sie denn in den Einrichtungen in Irland gemacht? Was ist denn das in Bradford konkret mit der Konfliktlösung? oder OECD? Hört sich ja alles spannend an, aber wo it der Bogen nach HU. Aber ich habe da auch gar keine Ahnung/erfahrung, wie man so was macht.

Sie haben sicher eine Menge zu tun, womit ich sagen möchte das ich keine Antwort von Ihnen erwarte. Kein Problem. Sollte nur ein kleines Feedback sein. Ich möchte Ihnen Viel 

Glück und Erfolg wünschen.

Mit freundlichem Gruß

U. J.

09. Dezember 2019

Meine Antwort an
Herrn U. J. 

Lieber Herr J.,

über Ihr Feedback per E-Mail zu meinem Besuch am 22. November an Ihrer Haustür habe ich mich gefreut. Auf diese Weise erfahre ich von Ihren Anliegen und Wünschen an die Gemeinde und bekomme einen unmittelbaren Einblick in die Themen, die den Bürgerinnen und Bürgern am Herzen liegen.

Desweiteren bitte ich um Ihr Verständnis, dass ich erst heute auf Ihre Mail antworte. Andere termingebundene Aufgaben ließen eine frühere Beantwortung nicht zu.

Bei meinen Besuchen in der ...-Straße haben einige Ihrer Nachbarn  ebenfalls die von Ihnen erwähnten Straßenausbaubeiträge aus den gleichen Gründen kritisiert.

Ihrer Anregung, aus meinem Werdegang die Verbindung zum Bürgermeisteramt in Henstedt-Ulzburg stärker hervorzuheben, komme ich gern nach. In dem aus Gründen der Lesbarkeit knapp gestalteten Lebenslauf auf der Homepage findet dieses nicht ausreichend Platz.

Nach dem Abitur war ich in Camphill Communities in Irland tätig. In diesen pädagogischen Lebensgemeinschaften habe ich Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung oder psychischen Störungen im täglichen Leben unterstützt. Die Art des Zusammenlebens mit gemeinsamem Kochen und Essen, Feldarbeiten und Handwerk, Singen und Musizieren hat mich gelehrt, meinen Mitmenschen immer auf Augenhöhe zu begegnen. Ich war beeindruckt von den verschiedensten Fähigkeiten dieser Kinder und Jugendlichen, die mir viel gegeben haben.

Diese Tätigkeit war der Grundstein für meine weitere berufliche Laufbahn, in deren Mittelpunkt immer der Umgang und die Kommunikation mit Menschen stand. Dabei ist es mir nach wie vor wichtig, dass besonders die Schwächsten in der Gesellschaft eine Stimme und meinen besonderen Schutz bekommen.

Das Studium der Konfliktlösung in Bradford hat mir Kenntnisse zur Entstehung und zur Lösung internationaler und innerstaatlicher Konflikte an die Hand gegeben. Hier ging es vor allem um den Aufbau demokratischer Strukturen in fragilen Staaten und Gesellschaften.

Und einen Umstand habe ich bei diesem Studium besonders stark erfahren: Konflikte und deren Lösungen beruhen in aller Regel auf menschlichem Verhalten sowie der Reaktion darauf.

Seit nunmehr 14 Jahren setze ich diese Kenntnisse und Fähigkeiten beruflich ein und werde dies auch bei meiner Tätigkeit als Bürgermeisterin in Henstedt-Ulzburg tun:

Mit dem Europäischen Zentrum für Minderheitenfragen, ECMI, habe ich zunächst im Kosovo und anschließend mit der OSZE in Nordmazedonien gemeindliche Verwaltungen aufgebaut. Als Leiterin des Regionalbüros der OSZE-Mission habe ich mit einem Stab von etwa 30 Mitarbeitern aus 11 verschiedenen Ländern kommunale Strukturen in 16 Gemeinden des Landes aufgebaut und sie in ihrer Entwicklung begleitet.

Dabei ging es um das friedliche und demokratische Zusammenleben von verschiedenen Bevölkerungsgruppen in den Gemeinden. Die politische, soziale und wirtschaftliche Mitwirkung von ethnischen Minderheiten wurde durch unseren täglichen Einsatz auf lokaler Ebene verbessert, das Verständnis füreinander gestärkt.

Vor allem der Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern und ihren unterschiedlichsten Anliegen sowie die Verknüpfung der Gemeindepolitik mit der Verwaltung war für mich tägliche Arbeit und Aufgabe.

Hierbei habe ich eng mit den Bürgermeistern – und einer Bürgermeisterin – zusammengearbeitet. Diese Erfahrung hat mein Interesse für das Bürgermeisteramt geweckt, welches ich als unglaublich vielfältig, aber auch sehr fordernd empfunden habe. Die Gestaltungsmöglichkeiten dieses Amts, gerade unter schwierigen Umständen, finde ich sehr reizvoll.

Aufbauend auf diesen Kenntnissen habe ich mich zur Mediatorin ausbilden lassen und gezielt intensive Fortbildungen im Bereich Verhandlungsführung und Dialogaufbau, wie auch im Bereich der Mitarbeiterleitung und –motivation genutzt.

Das Leben und Arbeiten in anderen Ländern und Kulturen ist für mich eine wertvolle Erfahrung und Bereicherung. Und nun möchte ich diese Erfahrung in meiner Heimat Schleswig-Holstein einsetzen und mit Ihnen gemeinsam die Gemeinde Henstedt-Ulzburg zukünftig gestalten. Ich freue mich, wenn Sie mich auf diesem Weg begleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Ulrike Schmidt

P.S.: ...

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